Seit November 2019 bin ich unterwegs mit der lernbegleitenden Methode Six Bricks.

Gerade auch durch Corona wurde mir klar, dass auch im deutschen Schulsystem spielerisches Lernen unterstützt mit Manipulativen einen größeren Anteil bekommen muss. Vordergründig scheint das Thema „Digitalisierung“ im Bildungssektor einen breiten Platz einzufordern. Mein persönliches Erleben ist jedoch, dass häufig Grundlagen an Motorik, Merkfähigkeit und Konzentration sowie Problemlösefähigkeit und Erkennen von Mustern ausgebaut werden müssen.

In den letzten Jahren habe ich tatsächlich ca. 500 Lehrkräften, meist aus dem Grundschulbereich, Six Bricks näher bringen dürfen. Aber funktioniert es denn überhaupt im sehr engen Zeitplan vom Schulalltag?

Realitätscheck in einer 8. Klasse

Seit diesem Sommer arbeite ich als pädagogische Fachkraft an einer Gesamtschule im hessischen Hinterland. Konkret begleite ich eine 8te Klasse im sogenannten PUSCH-Programm. Diese Teenager sind zum einen eine Herausforderung aufgrund ihrer alterstypischen Verhaltensweisen. Zusätzlich wird hier in der täglichen Praxis deutlich, dass es großen Aufholbedarf in klassischen Disziplinen gibt, wie ich sie vorher beschrieben habe. Wenn bei einfache Additionen im zweistelligen Bereich bereits nach einem Taschenrechner gefragt wird, ist es schwer, Themen wie Terme oder Gleichungen zu thematisieren.

Nun bin ich ja in meiner Rolle tatsächlich ein Lernbegleiter und kann, teilweise spontan eingefordert von den Lehrkräften, Six Bricks ergänzend einsetzen. Anfangs habe ich noch damit gerechnet, dass mir jeder Stein einzeln an den Kopf geworfen wird. Zu meiner Überraschung werden die kurzweiligen Aktivitäten sehr dankbar angenommen und die Lehrkräfte sind in dieser Zeit tatsächlich in der Lage zuzusehen, wie Denkwege freigesetzt und wichtige Denkmuster angelegt werden.

Ein Anwendungsbeispiel: Muster erkennen

Die SuS sind immer wieder herausgefordert, bestimmte Muster erkennen zu müssen. Sei es beim Lösen von Gleichungen den klaren gleichbleibenden Lösungsweg zu behalten oder bei Grammatik die richtigen Fragen anzuwenden, um Wortgruppen zu identifizieren.

Ich habe einen kleinen Parcours von 3 Aufgaben im Klassenraum aufgebaut. Die Teilnehmenden durften selber aussuchen, wo Sie beginnen und welche Aufgabe sie als nächstes lösen. Die Aktivität war angelegt auf 7-10 Minuten. Es brauchte Bewegung (um die Aufgaben zu erreichen), Merkfähigkeit (um sich Muster zu merken) und Problemlösefähigkeit, um komplexe Sachverhalte aufzulösen.

Diese etwas zeitintensivere Aktion habe ich mitten in eine Doppelstunde Mathe platziert (und in der 5 Minuten Pause aufgebaut). Hilfreich ist tatsächlich das kurze Reflektieren (was war einfach zu lösen und warum? Was war eher schwieriger und was hat konkret geholfen?) mit den Beteiligten, um die eigene Lernkurve zu erkennen (da es eine Steigerung in den Aufgaben gab).